Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ war schon oft Grund für Affären. Seit der Spiegel-Affäre von 1962 ist das Hamburger Magazin Vorkämpfer für die Pressefreiheit. Auch die neueste Spiegel-Affäre rund um die entlassenen Chefredaktuere hat für Schlagzeilen im Blätterwald gesorgt. Diesen war es nicht gelungen, eine vernünftige und gewinnbringende Verknüpfung zwischen der Print und Online hinzubekommen. Die aktuell für € 4,20 am Kiosk erhältliche Print-Ausgabe verliert beständig an Auflage, da immer mehr Inhalte kostenlos im Netz verfügbar sind. (netz-news.com berichtete hier und hier über die Entwicklungen in der Medienbranche).

Printmedien wie der Spiegel sind durch Online-Angebote bedroht

Printmedien am Kiosk: starke Konkurrenz durch Online-Angebote | Foto: colourbox.com


Print oder Online – Streit um Vermarktung journalistischer Inhalte

Das redaktionell vom Druckmedium unabhängige Online-Medium spiegel.de ist zwar eines der angesehensten deutschsprachigen Websites im Netz, die Vermarktung der journalistischen Inhalte lässt aber zu wünschen übrig. Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron, beide ihres Zeichen Chefredakteure des Spiegel, sind aus dem Unternehmen ausgeschieden. Offiziell aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich der strategischen Ausrichtung des Magazins „mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt“. So ist die Mitarbeit zwar offiziell im Einvernehmen beendet worden, doch hinter den Kulissen sieht die Sachlage etwas anders aus. Hier ruft die Entlassung der beiden Chefredakteure, die das Magazin immerhin bereits fünf lange Jahre bestimmt hatten, heftigen Wirbel hervor. Am 5. Februar 2008 wurden die beiden Redakteure Nachfolger von Stefan Aust. Dieser hat dreizehn Jahre lang den Spiegel geführt, bis er aufgrund von „schlechtem Führungsstil und mangelnder Innovationskraft“ seinen Vertrag nicht mehr verlängert bekam. Jetzt wurden auch seine Nachfolger gefeuert. Geschäftsführer Ove Saffe hatte die Gerüchte um die Kündigung der beiden Chefredakteure nicht kommentiert. Am Dienstag wurde innerhalb des Spiegels eine Krisensitzung einberufen, in deren Verlauf Herr Saffe die Mitteilung über die Kündigung der Chefredakteure verkündete. Auch online auf spiegel.de wurde die Mitteilung bekanntgegeben, was erneutes Grübeln verursacht hat.

Auswirkungen auf den Spiegel? Heiter bis heftig

Diese beiden Kündigungen blieben natürlich nicht ohne Folgen. Die leichteren Reaktionen machen sich nur lustig über das Hamburger Nachrichtenblatt, da die Herren Mascolo und Müller von Blumencron ebenso gekündigt wurden wie ihr Vorgänger, Stefan Aust. Weniger humorvolle Naturen machen sich – online, schriftlich und im direkten Gespräch – ernstere Gedanken über die Entlassung der beiden Chefredakteure. Da die Art der Kündigung nach einer Art „Säuberung in der Chefetage“ aussieht bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Betrachtet man die große Anzahl der Aufrufe von Spiegel.de, so merkt mann dass sich die Öffentlichkeit durchaus Gedanken über die Entlassungen macht. Selbst langjährige Spiegel-Leser und -abonnenten sehen die Kündigungen sehr kritisch. Dieses verlorengegangene Vertrauen der Leser in ihr Magazin zeigt sich auch deutlich an schwankenden Verkaufszahlen. Befürchtet wird beim Spiegel besonders dass sich Leser Gedanken über ihr Spiegel-Abo machen. Aus diesem Grund versucht man die Affäre möglichst herunterzuspielen. Fast noch schlimmer als die Wahrnehmung des neuesten Skandals in der Öffentlichkeit ist jedoch die Wahrnehmung in den eigenen Reihen. Denn besonders die sehr liberale Gilde der Spiegel-Journalisten reagiert auf Entlassungen besonders allergisch. So ist es kein Wunder dass gerade innerhalb des Spiegels viel Kritik an der harschen Kündigung entstanden ist. In den Redaktionsräumen des Nachrichtenmagazins herrscht große Verwunderung über die heftigen Kündigungen, was sich auch in einer gesunkenen Laune äußert. Langfristig werden natürlich noch weitere Auswirkungen befürchtet, wobei Kündigungen und abfallendes Leistungsniveau innerhalb der Redaktion zu den gefürchtetsten gehören. Doch auch der Verlust der geschäftlichen Glaubwürdigkeit unter den Journalisten ist nicht zu verachten. Denn gerade im journalistischen Bereich ist Glaubwürdigkeit eine der Grundtugenden, und ein Magazin, dass diese Glaubwürdigkeit verliert, wird es schwer haben. Bereits jetzt kursieren Scherze über das „Spiegel-Abo“, da der Verlag Affären geradezu gepachtet zu haben scheint.